Erb-Vital-Untersuchung (EVU)
Seit
Oktober 2007 beschäftige ich mich mit einem Konzept zur Verbesserung
der Gesundheit von Rassehunden.
Die
"Erb-Vital-Untersuchung" ist ein ein solches Konzept und kann als
Gesundheitsmanagement für den vitalen & erbgesunden Rassehund
verstanden werden!
Im Juni 2008
konnte ich das Projekt abschließen. Seitdem wird die EVU vom Nova
Scotia Duck Tolling Retriever Club Deutschland e.V. (TCD) angeboten
und in der Praxis umgesetzt.
Tragen Sie zur
Verbesserung der Vitalität & Erbgesundheit unserer Toller bei!
Verbinden Sie die Erb-Vital-Untersuchung einfach mit der nächsten
Jahresimpfung, bei der sowieso eine Routineuntersuchung erfolgt! Am
besten drucken Sie sich den EVU-Bogen aus und legen ihn in den
Impfpass Ihres Hundes.
Vielen Dank für Ihre Mithilfe! Zukünftige Toller-Generationen
werden es Ihnen danken!
EVU-Bogen
Download

Anhand von 2
Artikeln möchte ich im Folgenden die Entstehung der EVU sowie deren
Zielsetzungen erläutern.
--------------------
(veröffentlicht in der
Clubzeitung "Unser Toller", Ausgabe 01/08)
Erb-Vital-Untersuchung
Wenn man sich die
vorgeschriebenen Gesundheitsuntersuchungen der Zuchtverbände
ansieht, wird man schnell feststellen, dass die Zuchthunde (wenn
überhaupt) nur auf spezielle Erkrankungen untersucht werden. Das ist
prinzipiell auch vernünftig, da ein Screening nur dann Sinn macht,
wenn entsprechende Krankheiten auch wirklich in der Population
auftreten (bzw. wenn ein Verdacht besteht; wobei in einem solchen
Fall nach einer möglichst breit durchgeführten Screeninguntersuchung
diese wieder aufgehoben werden sollte, sofern festgestellt wird,
dass keine Belastung besteht).
Die Pflichtuntersuchung
beschränkt sich oftmals auf eine HD- und Augenuntersuchung. Bei
manchen Rassen ist eine Herzuntersuchung vorgeschrieben, bei anderen
wiederum ein Audiometrie-Test usw.
So kann es vorkommen - und
die Praxis zeigt es leider - dass ein Hund alle vom Verein
geforderten Untersuchungen mit besten Ergebnissen bestanden hat,
aber an Epilepsie, oder einer Autoimmunerkrankung oder einer anderen
Erbkrankheit leidet. Besonders problematisch wird es dann, wenn
solche Hunde in der Zucht eingesetzt werden, was mitunter auch
vorkommt. Zum Teil geschieht dies �unbewusst�, weil die ein oder
andere Erkrankung nicht diagnostiziert wurde � zum Teil liegt es
aber auch an der �Verschweigeritis� mancher �Züchter� oder
Deckrüdenbesitzer. Dies bereitet der Hundezucht zum Teil erhebliche
Probleme und erschwert den Fortschritt in der Rassehundezucht.
(Das folgende Beispiel
der Herzerkrankung /-untersuchung gilt stellvertretend für viele
andere Krankheitsbilder. Ich möchte die nachfolgende Schilderung
beispielhaft erwähnen.)
Im Herbst 2007 habe ich
mich mit speziellen Fragestellungen zur Herzuntersuchung beim Toller
an die Spezialisten Dr. Wess (Leiter Abteilung für Kardiologie,
Medizinische Kleintierklinik der Universität München) und Dr.
Kresken gerichtet. Beide gehören dem Collegium Cardiologicum e.V.
an, über das wir in einer älteren Ausgabe unserer Clubzeitung schon
berichtet haben. Den Informationsaustausch habe ich schließlich mit
Frau Prof. Sommerfeld-Stur besprochen.
Meine Grundüberlegung war
folgende: nach den vorliegenden Zahlen von herzuntersuchten Tollern
ist nicht von einer nennenswerten Disposition auszugehen. Trotzdem
muss man auch bedenken, dass die vorhanden Zahlen aus Kanada / USA
nicht zwangsläufig für die deutsche (europäische) Population gelten!
Gerade wenn die Zuchtbasis sehr klein ist, können sich Herzfehler
recht schnell durchsetzen! Ein vergleichbares Problem hat die Rasse
Polski Owczarek Nizinny erfahren � nach Dr. Kresken ist die
Population in Deutschland stark mit Herzfehlern durchsetzt.
Wie verhindert man nun am
effektivsten, dass erkrankte Tiere in der Zucht eingesetzt werden?!
Die Antwort scheint einfach: alle Zuchthunde und auch möglichst
viele nicht zur Zucht eingesetzten Hunde (Nachzuchtkontrolle)
unterziehen sich einer Herzuntersuchung beim CC-Spezialisten.
Nur: wird eine möglichst
breite Masse diese recht teuere Spezial-Untersuchung ohne
vorliegende Krankheitszeichen beim eigenen Hund durchführen? Und
weiter: wie sieht es dann mit einer Patellaluxation-Untersuchung
oder einem Audiometrie-Test usw. aus?!
Es stellt sich die Frage:
Wäre all dies in der Praxis umzusetzen (Bezahlbarkeit), bzw.
überhaupt sinnvoll (Notwendigkeit einer Screening-Untersuchung)?
Nach einem intensiven
Austausch habe ich dem Herzspezialisten Dr. Wess und der Genetikerin
Prof. Sommerfeld-Stur folgende mögliche Vorgehensweise vorgestellt:
(A. Däuber:) �Wie bereits
beschrieben, sind evtl. zu viele Vorschriften durch einen Verein
(und damit verbundene Kosten für den Hundehalter) nicht gerade
dienlich. Falls Probleme innerhalb der Population auftreten, muss
gehandelt werden - keine Frage!!
Von daher finde ich das
Vorgehen, einer exakten Auskultation beispielsweise im Rahmen der
Jahresimpfung durch den Haustierarzt sinnvoll. Sollten bei dieser
Untersuchung "Auffälligkeiten" festgestellt werden, würde man den
Halter an einen Herzspezialisten verweisen (ich denke, dass das auch
in den meisten Fällen der Regelweg ist:
Haustierarzt stellt eine Verdachtsdiagnose und verweist an einen
Herzspezialisten). Gerade auch unter dem Aspekt, dass hiervon
wahrscheinlich ein Großteil der Züchter und
Besitzer(!) Gebrauch machen würde, wäre eine solche Vorgehensweise
zu überdenken. Bei Auffälligkeiten ist der Weg zum
Spezialisten selbstverständlich!�
Dieser
Vorschlag ist von beiden Seiten auf Zustimmung gestoßen. Dr. Wess
antwortete: �Ich denke bei
einer so geringen Anzahl an Herzproblemen, sollte eigentlich eine
gute Auskultation ausreichend sein. Wird vom untersuchenden Arzt ein
Herzgeräusch gehört, so sollte eine Ultraschalluntersuchung erfolgen
(�) Eigentlich sollte jeder Tierarzt ein Herzgeräusch hören (�)�
Prof.
Sommerfeld-Stur fasste sich recht kurz: �Volle
Zustimmung!�
Ich möchte an diesem
Beispiel aufzeigen, dass der Hund eben nicht nur aus Hüftgelenken,
Ellenbogen und Augen (oder anderen einzelnen Organen) besteht und
man sich infolgedessen nicht nur auf diese Befundungen �berufen�
darf. Der Hund muss als �Ganzes� betrachtet werden!
Heute gibt es beim Hund
über 400 bekannte Erbkrankheiten � jedes Jahr kommen neue
Krankheitsbilder hinzu.
Angeregt durch das
ERVIP-Projekt in Österreich und dessen Organisator Dr. G. Biberauer
(Arbeitskreis für Veterinärmedizinische Erbhygiene) habe ich das
Formular zur "Erb-Vital-Untersuchung" entworfen - wichtig ist
zu erwähnen, dass sich der Tierarzt bei der Untersuchung nicht nur
auf den Bewegungsapparat oder eine Auskultation des Herzens
konzentriert, sondern den Hund allgemein klinisch untersucht, wobei
auch insbesondere auf rassetypische Erkrankungen geachtet wird.
Die Erb-Vital-Untersuchung
(EVU) erfolgt beim Tierarzt und hat die Erhaltung und Verbesserung
der Rassegesundheit zum Ziel - ein Gesundheitsmanagement für den
vitalen Rassehund! Die EVU leistet somit einen wichtigen Beitrag zur
erbgesunden Rassehundezucht. Entsprechend der Zielsetzung sollen
sowohl alle Zuchthunde als auch nicht zur Zucht eingesetzte Hunde(!)
an der EVU teilnehmen - beispielsweise im Rahmen der jährlichen
Routineuntersuchung. In jedem Fall soll bei diagnostizierter
Erkrankung mit (vermutlicher) genetischer Disposition der EVU-Bogen
ausgefüllt an den Zuchtverband geschickt werden! Die eingehenden
Daten werden vom TCD e.V. gesammelt (komplexe Datensammlung) und in
Zusammenarbeit mit Fachtierärzten analysiert.
Weiterhin gibt es auf dem
Befundungsformular die Möglichkeit, Todesdatum und Todesursache zu
dokumentieren.
Dieses Projekt und das
ausgearbeitete Formular habe ich bereits Herrn Dr. Biberauer
vorgestellt. Er begrüßte das Vorhaben, gratulierte zum entworfenen
Befundungsformular und freut sich auf eine gute Zusammenarbeit sowie
auf künftige Rückmeldungen und Erfahrungen.
Zusätzlich stellte ich das
Projekt verschiedenen Veterinär-Universitätskliniken vor, von denen
auch schon erste Rückmeldungen vorliegen: Prof. Dr. Brunnberg
(Fachbereich Veterinärmedizin der Freien Universität Berlin):
"Glückwunsch zu Ihrer Initiative. Wir bieten Ihnen Mitarbeit in
Ihrem Vorhaben."
Ich hoffe, dass das
EVU-Projekt weiter auf Interesse stößt und künftig von möglichst
vielen Züchtern und Hundehaltern genutzt wird! Künftige
Toller-Generationen werden es danken!
Auf der nächsten
Mitgliederversammlung wird das Befundungsformular und das weitere
Vorgehen näher erläutert.
Alexander
Däuber
--------------------
(veröffentlicht in der
Clubzeitung "Unser Toller", Ausgabe 02/08)
Erb-Vital-Untersuchung
In unserer letzen Ausgabe
haben wir Sie bereits über die Erb-Vital-Untersuchung (EVU)
informiert. Ich freue mich Ihnen mitteilen zu können, dass das
Projekt abgeschlossen ist und ab Juni 2008 in der Praxis umgesetzt
werden kann!
Anfang Mai habe ich
Kontakt mit Frau Prof. Barbara Kohn aufgenommen. Die Fachtierärztin
für Kleintiere ist stellvertretende geschäftsführende Direktorin an
der Freien Universität Berlin (Fachbereich Veterinärmedizin / Klinik
und Poliklinik für kleine Haustiere). In einem intensiven Austausch
habe ich ihr den EVU-Bogen, die Vorgehensweise und die Zielsetzung
vorgestellt. Auch sie begrüßte unser Vorhaben und bestätigte eine
gute Ausarbeitung des Befundbogens (positive Rückmeldungen erhielten
wir zudem von Prof. Sommerfeld-Stur, Dr. Biberauer / Arbeitskreis
Erbhygiene - Österreich und von Prof. Brunnberg).
Frau Prof. Kohn hat sich
bereit erklärt, unserem Verein als Ansprechpartnerin zur Verfügung
zu stehen und im veterinärmedizinischen Beirat mitzuwirken. Wir
können stolz darauf sein, dass sie darüber hinaus die
wissenschaftliche Leitung der Erb-Vital-Untersuchung übernommen hat!
Die Überlegungen zur
Entstehung der Erb-Vital-Untersuchung sowie die Zielsetzungen, habe
ich in der letzten CZ-Ausgabe dargestellt.
Unser Verein hatte
bislang, ähnlich wie alle anderen Zuchtvereine, nur Befundungsbögen
für Spezialuntersuchungen verwendet - in unserem Fall: HD, ED,
Augenerkrankungen. Sicherlich sind diese Spezialuntersuchungen
wichtig und sinnvoll, wenngleich sie nicht die dominierendsten
Krankheitsbilder beim Toller darstellen (gleiches gilt für viele
andere Rassen). Der Hund besteht eben aus mehr als nur Hüfte,
Ellenbogen und Augen.
Mit den folgenden
Äußerungen spreche ich mich nicht gegen die Durchführung von
Spezialuntersuchungen aus � vielmehr stelle ich die Bedeutsamkeit
der EVU, als äußerst sinnvolle Maßnahme zur Verbesserung der
Rassegesundheit, dar!
In den letzten Monaten
habe ich von 2 Tollerbesitzern erfahren, dass ihre jungen Hunde (9
Monate / 12 Monate) �heftige HD-Probleme� haben. Die
Diagnosestellung �HD!� und der im Folgenden beschriebene Ablauf ist
sicherlich alltäglich in der Hundewelt - und wurde von den beiden
Tollerbesitzern auch genau so geschildert. (Das Krankheitsbild � HD
- und der Ablauf ist exemplarisch und kann auf viele andere
Krankheitsbilder und Situationen übertragen
werden.)
-
Der Hund zeigt
Bewegungsauffälligkeiten, geht lahm, hat Schmerzen bei der
Bewegung usw.
-
der Hund wird dem
Tierarzt vorgestellt
-
Verdacht auf HD -
der wird Hund geröntgt
-
der Tierarzt stellt
fest: �Ihr Hund leidet an Hüftgelenksdysplasie!�
-
Schock für den
Hundehalter!
-
die Therapie
beginnt...
-
...und weder
Hundehalter noch der behandelnde Tierarzt zieht in Erwägung, das
Röntgenbild offiziell von einem unabhängigen Gutachter auswerten
zu lassen
-
...das
Gesundheitsproblem des Hundes wird von keinem Zuchtverein erfasst
-
...das
Datenmaterial, welches die Basis für gesundheitsverbessernde
Zuchtmaßnahmen darstellt, fehlt oder ist unvollständig.
Im Prinzip ist es auch
weniger relevant, ob bei einem offiziellen unabhängigen Gutachten
nun ein E1- oder E2- HD-Befund herauskommt. Vor allem den
Hundehalter dürfte das herzlich wenig interessieren - Fakt ist, dass
sein Hund starke Schmerzen beim Laufen hat, der Tierarzt dies auf
�Hüftgelenksdysplasie� zurückführt und dem Hund nun
schnellstmöglichst geholfen werden muss.
Dem Zuchtverein müsste ein
tierärztlicher Befund �HD� auch lieber sein, als gar keine
Krankheitsmeldung. Auch bei der Analyse des Datenmaterials dürfte
die Diagnosestellung �HD� für Zuchtkommission und Fachtierärzte
eindeutig genug sein, um �verwertbar� zu sein.
Man muss sich weiterhin
damit abfinden, dass der Großteil der Hundebesitzer
(verständlicherweise) nicht bereit ist, mehrere
Spezialuntersuchungen durchzuführen � gehandelt wird oft erst wenn
Symptome auftreten (Bewegungsschmerz usw.), oder der Tierarzt bei
einer Routineuntersuchung Auffälligkeiten feststellt. Und genau
diese Auffälligkeiten und Diagnosen sollten per EVU-Bogen dem
Zuchtverein mitgeteilt werden! Es reicht nicht aus, wenn sich �nur�
die Züchter und Deckrüdenbesitzer in diesem Bereich bemühen, denn
sie besitzen nur einen kleinen Teil der Population! Hier liegt es
auch am Züchter, seine Welpenkäufer über die Bedeutsamkeit der EVU
zu informieren.
Wir werden von
Vereinsseite viel Öffentlichkeitsarbeit bezüglich der
Gesundheitsverbesserung leisten. Nur so erhalten wir eine breite
Rückmeldung � nur so ist es möglich eine komplexe Datensammlung
aufzubauen � nur so können wichtige Schritte unternommen werden, die
zur Verbesserung der Gesundheit & Vitalität beitragen!
Wir werden die
Mitteilungen und Ergebnisse aus den EVU-Bögen in einem komplexen
Datenprogramm sammeln und öffentlich darlegen, in Zusammenarbeit mit
Fachtierärzten regelmäßig eine Analyse vornehmen und gegebenenfalls
Zuchtmaßnahmen einleiten.
Unterstützen Sie
uns dabei! Zukünftige Tollergenerationen werden es danken!
Verbinden Sie die
Erb-Vital-Untersuchung einfach mit der nächsten Jahresimpfung, bei
der sowieso eine Routineuntersuchung erfolgt! Am besten drucken Sie
sich den EVU-Bogen aus und legen ihn in den Impfpass Ihres Hundes.
Wir werden den Bogen in
den kommenden Tagen als Download auf unsere Homepage stellen und
auch dort über die EVU informieren, sodass wir möglichst viele
Tollerbesitzer ansprechen und erreichen.
Alexander
Däuber