Da es um den
Erhalt der Rasse und um die Beachtung des deutschen
Tierschutzgesetzes geht, haben wir Kontakt mit weiteren
Experten aufgenommen, denen wir die wissenschaftlichen Studien
und die Gutachten vorgelegt haben. Die Statements möchten wir
Ihnen (auszugsweise) weiterleiten:
„Bei einer
derartigen genetischen Verarmung, die obendrein noch mit dem
gehäuften Auftreten von genetisch bedingten Erkrankungen
einhergeht, ist die Einbringung von genetischer Variabilität
dringend geboten. Bei allen züchterischen Erwägungen um den
Erhalt der Rassestandards muss das Wohl der Hunde eindeutig im
Vordergrund stehen.“
Dr. Pfenninger
(Evolutionsbiologe & Populationsgenetiker) – Institut für
Ökologie, Evolution und Diversität, Goethe-Universität
Frankfurt/Main
„Sie haben
sehr interessante und fundierte Gutachten erhalten. Ich bin
kein Genetiker, aber die Vorschläge der Experten scheinen
sinnvoll zu sein und sollten befolgt werden.“
Kohn, Barbara, Prof. Dr. Med.
Vet. Dipl. ECVIM-CA, Fachtierarzt für Kleintiere (Fachbereich
Veterinärmedizin / Klinik und Poliklinik für kleine Haustiere,
Freie Universität Berlin) – Mitglied im veterinärmedizinischen
Beirat des TCD
TCD e.V.:
„Was halten Sie von der Idee der Einkreuzung einer fremden
Rasse in einem Projekt, das wissenschaftlich begleitet wird?“
„Das haben die Genetiker, die darin spezialisiert sind,
deutlich zum Ausdruck gebracht. Ich kann da nichts
hinzufügen.“
Tipold, Andrea, Prof. Dr.
med. vet. Dipl.ECVN, Fachtierärztin für Veterinärneurologie
(Klinik für Kleintiere, Fachbereich Neurologie, Tierärztliche
Hochschule Hannover) Mitglied im veterinärmedizinischen Beirat
des TCD
„Es bleibt
Ihnen wohl nichts anderes übrig (…) eine Einkreuzung anderer
Hunde ist unausweichlich.“
Dr. S. T. Hertwig, Zoologe,
Natural History Museum Bern Vertebrate Animals Department,
Head Curator
„Die Hinweise
der von Ihnen zitierten Sachverständigen scheinen mir
alarmierend zu sein.“
Bundestierärztekammer
„(…) so dass
ich keine weitere Stellungnahmen abgeben könnte, die über das
bereits gesagte hinaus geht; die theoretischen
Wissensgrundlagen sind z.B. in der von Frau Prof.
Sommerfeld-Stur verfassten Stellungnahme aus meiner Sicht
erschöpfend dargestellt.“
Prof. Dr. Bruno Streit, Institut
für Ökologie, Evolution und Diversität, Goethe-Universität
Frankfurt am Main
“It sounds to
me that outcrossing is your only answer.”
Prof. Patrick Bateson,
Department of Zoology, University of Cambridge
„Wenn diese
Studie nicht einen mächtigen Anstoß zur unbedingt nötigen
Einkreuzungen gibt, ist dieser Rassehund nicht mehr zu retten.
Ich möchte zur Thematik noch bemerken, dass endloses Zuwarten
bei eindeutiger Sachlage bei kritischer Betrachtung sowohl
gegenüber der Rasse an Qualzucht angrenzt (weil die
Problematik nur größer werden kann), als auch die
Verpflichtung zur Qualität gegenüber den Abnehmern der Welpen
außer Acht lässt.“
Dipl.Ing. Dr. rer.nat.tech.
Hellmuth Wachtel, Mitglied im veterinärmedizinischen Beirat
des TCD
„Um die
genetische Vielfalt wieder zu verbessern, komme ich in meiner
Studie zu dem Ergebnis, dass Einkreuzungen dringend notwendig
sind.“
Dr. Katariina Mäki, Executive
manager, Society for Canine Genetic Health and Ethics Member,
Scientific Breeding Commission of The Finnish Kennel Club,
Mitglied im veterinärmedizinischen Beirat des TCD
„Die einzige
wirklich zielführende Möglichkeit die Rasse zu erhalten und
die gesundheitliche Problematik in den Griff zu bekommen liegt
hier in einer Erweiterung der genetischen Varianz durch
Immigration. Da die von MÄKI (2009) durchgeführte Studie die
gesamte weltweite Population von NSDTR umfasst hat erscheint
eine Immigration innerhalb der Rasse nicht zielführend. Als
Immigrationspartner müssten somit Tiere aus fremden Rassen in
Betracht gezogen werden.“
Univ.Prof.Dr.Irene
Sommerfeld-Stur, Institut f. Tierzucht und Genetik, Vet.-med.
Universität Wien, Mitglied im veterinärmedizinischen Beirat
des TCD
„Ich habe die
Beiträge zur Analyse der Ursachen für die gesundheitlichen
Probleme des NSDTR mit großem Interesse gelesen und teile auf
der Grundlage dieser Informationen Ihre Auffassung, dass ein
Zuchtversuch ein sinnvoller Ansatz ist, um der Häufung
gesundheitlicher Probleme beim Nova Scotia Duck Tolling
Retriever als Folge geringer genetischer Variabilität zu
begegnen. Ich denke, dass es Anliegen jeder Rassehundezucht
ist und sein muss, dass gesunde Welpen geboren werden. Das ist
auch gesetzgeberisch aus dem Staatsziel Tierschutz abzuleiten.
Wenn dieses wichtige Ziel über eine Erweiterung der
genetischen Basis durch zeitweise Einkreuzung einer anderen
Rasse erreichbar ist, sollte dieser Weg konsequent gegangen
werden, denn es geht dabei ja auch um den Ruf dieser so
interessanten Rasse, der nicht weiter verspielt werden darf.
(…) Das wäre im Sinne eines verantwortungsvollen Umgangs mit
dieser Rasse und die Erfüllung des Tierschutzes als
Staatsziel.“
Dr. Kirsten Tackmann (MdB),
Agrarpolitische Sprecherin (Tierärztin), Fraktion DIE LINKE.
im Bundestag
„Es ist
verboten, Wirbeltiere zu züchten oder durch bio- und
genetische Verfahren zu verändern, wenn bei der Nachzucht oder
bei den bio- und genetisch veränderten Tieren selbst und deren
nachkommen aufgrund vererbter Merkmale mit Leiden, Schmerzen
oder Schäden zu rechnen ist.“
CDU-Bundesgeschäftsstelle
„Vielen Dank
für die mir zur Einsicht übermittelten Unterlagen. – Nach
deren Lektüre komme ich zu dem Schluss, dass
tierschutzrechtlich “das Kind bereits in den Brunnen gefallen”
ist.“
Prof. Dr. Jörg Luy M.A.,
Fachtierarzt für Tierschutz, Institut für Tierschutz und
Tierverhalten, FB Veterinärmedizin / FU Berlin
„Meine
persönliche Einschätzung zum Einkreuzungsprojekt beim NSDT
Retriever aus wissenschaftlicher Sicht (mein
Forschungsschwerpunkt ist Populationsgenetik, Evolution und
Ökologie).
Die Studie von Katarina Mäki ist in einer anerkannten
Fachzeitschrift „Journal of Animal Breeding and Genetics“
erschienen. Der Inhalt und die Interpretation der Studie ist
wissenschaftlich abgesichert, weiterführende Details kann man
in den Zitaten nachlesen. Ich stimme allen Schlussfolgerungen
im Statement von Frau Mäki zu.
Die Datenbasis ihrer Studie umfasste ca. 30 000 Individuen,
die aus allen weltweit registrierten Zuchtpopulationen stammen
und ist somit repräsentativ für den gesamten Genpool dieser
Rasse. Trotz der hohen Individuenzahl ist die effektive
Populationsgröße winzig (<20). Die effektive Populationsgröße
ist entscheidend für die Überlebenswahrscheinlichkeit einer
Population. Bei derart niedrigen Werten sagen
populationsgenetische Modelle vorher, dass diese Hunderasse in
absehbarer Zeit aussterben wird, wenn kein Genfluss von außen
erlaubt ist. Defekte und Letalität werden immer stärker
zunehmen. Dieser Prozess ist nicht umkehrbar.
Gründlich gelesen habe ich auch die zusammenfassende
Stellungnahme von Frau Sommerfeld-Stur. Ich stimme in allen
wesentlichen Punkten zu, ohne Genfluss von außen (=Einkreuzung
bzw. Immigration) ist der Fortbestand dieser Rasse extrem
gefährdet.
Eine Anmerkung zum Schluss: Da es keinen anderen Ausweg als
Einkreuzung gibt, müssen Züchter und Käufer akzeptieren, dass
strikte „Reinrassigkeit“ langfristig unmöglich ist.“
Zoologin